Zabergäuer auf dem Jakobsweg – Interview mit Pfarrer Rupp
ZaberBote: Herr Rupp, wie kamen Sie zum Pilgern?
Pfarrer Hermann Rupp: Im Jahr 1992 machte ich mit Wanderfreunden eine Wildnistour durch Lappland. Pro Person trugen wir dabei 32 kg auf dem Rücken. Wir hatten den kompletten Proviant für 15 Tage sowie das Zelt dabei. Dies hat uns zusammengeschweißt. Wir machten die positive Erfahrung, dass es gut war, miteinander auf dem Weg zu sein. Und so suchten wir uns ein nächstes Ziel, den Jakobsweg. Im September 1993 machten wir uns dann in den Pyrenäen auf den 300 km langen Weg bis Burgos. Für diese Etappe benötigten wir 11 Tage und waren erstaunt über die vielen jungen Menschen, die wir dabei trafen.
ZaberBote: Wer machte sich denn früher aufden Weg? Hat sich die Motivation der heutigen Pilger geändert?
Pfarrer Hermann Rupp: Früher machten sich die Pilger auf den Weg, um die Heiligen zu ehren oder Schuld zu büßen und Gnade zu erhalten. Die Gründe, weshalb sich heute die Pilger auf den Weg zum Grab des heiligen Jakobus machen, sind vielschichtiger. Es gibt immer noch welche, die dies aus religiösen Gründen tun. Aber auch Gründe der Selbsterfahrung spielen eine Rolle. Und psychisch angeschlagene Menschen sind unterwegs, genauso wie solche, die das Ganze sportlich angehen.
ZaberBote: Dann ist also der Weg das Ziel?
Pfarrer Hermann Rupp: Der Satz von Laotse „der Weg ist das Ziel“, ist aus dem Zusammenhang herausgerissen. Es heißt weiter: „Am Ende des Weges erhälst du die Antworten auf deine Fragen.“ Wenn der Weg das Ziel wäre, würde das ja wohl bedeuten, dass wir immer nur im Kreise gehen würden. Ich denke, dass jeder Weg ein Ziel braucht, damit der Mensch am Ende seines Weges auch die Antwort auf seine Fragen bekommt. Wer unterwegs ist, wird innerlich leer, er wird offen für das, was ihm geschenkt wird und er merkt, dass in ihm selbst mehr passiert als er erwartet hat. Die Meditation in der Schöpfung, Gespräche mit Pilgerfreunden über Fragen des Lebens und des Glaubens ge- nauso wie Worte aus der Bibel und das Gebet sind wichtige religiöse Impulse für einen Pilger.
ZaberBote: Das Grab des heiligen Jakobus befindet sich ja am westlichsten Ende von Spanien. Ist der Weg Richtung Westen nicht der Weg des Todes?
Pfarrer Hermann Rupp: Das ist richtig. Und der Weg nach Osten steht für den Weg des Lebens und die Auferstehung. So sagt es uns die Bibel. Sie erinnern sich sicher an die zwei Jünger, die sich nach der Kreuzigung von Jesus auf den Weg nach Emmaus machen. Sie gehen also am Ostermorgen in Richtung Westen. Sie hatten alle Hoffnung aufgegeben. Es erscheint ihnen Jesus als Auferstandener und öffnet ihnen die Augen. Das ist der Wendepunkt für sie. Daraufhin kehren sie zurück nach Jerusalem, also Richtung Osten, der aufgehenden Sonne entgegen. Ähnlich ergeht es vielen Pilgern. Das Grab des heiligen Jakobus ist für sie der Wendepunkt. Von Santiago aus müssen sie wieder den Weg Richtung Osten gehen, also den Weg des Lebens.
ZaberBote: Herr Rupp, welche Etappe wollen Sie als nächstes machen?
Pfarrer Hermann Rupp: Nachdem ich mit meinen Pilger-Freunden auch bereits den Weg von der Czechischen Grenze bis zu den Pyrenäen gegangen bin (ca. 1700 km), waren wir im letzten Jahr auf dem ökumenischen Jakobsweg von Görlitz nach Leipzig unterwegs und gehen in diesem Jahr weiter bis nach Fulda. Ich bin 69 Jahre alt und werde solange gehen, solange mich meine Füße tragen.
ZaberBote: Herr Rupp, gibt es noch ein paar praktische Tipps, die Sie einem Pilger auf den Weg geben würden?
Pfarrer Hermann Rupp: Ja, die Sorge am Abend ein Quartier zum Übernachten zu finden, lässt den einen oder anderen Pilger schon einmal an kunstgeschichtlich bedeutenden Kirchen vorbei rennen. Pamplona, Burgos und Leon sind bedeutende Orte mit großartigen Kathedralen. Die Region Galicien ist faszinierend. Deshalb empfehle ich, das Quartier jeweils bis zum übernächsten Tag vorzubestellen.
Die nächste Tonbildschau über seine Pilgerreisen auf dem Jakobsweg zeigt Pfarrer Hermann Rupp am Sonntag, 27. April, 15 Uhr, im Jugendhaus auf dem Michaelsberg.


