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Eine Truppe von mittelalterlichen Nudelgesichtern

Der muss verrückt sein“, haben die Lauffener gedacht, als Klaus Kircher in den 80er Jahren den Vogtshof im „Städtle“, der Altstadt Lauffens, erwarb. „Diese Ruine!“ Doch diese Ruine hatte einen feinen Gewölbekeller und in diesem gedachte Klaus Kircher, „Guscht“ genannt, einen seiner vielen Träume zu verwirklichen: Theater wollte er hier machen. Mundarttheater.

Die Städtlesbühne im Lauffener Vogtshof

Längst ist die „Städtlesbühne“, die 2004 ihren zehnten Geburtstag feierte, kein Geheimtipp mehr und zieht Zuschauer auch von jenseits der Unterländer Grenzen an. „Koiner hett‘s denkt, dass sie so lange hebt“, sagt der Chef, der etwa 15 Aufführungen pro Saison organisiert, immer vor ausverkauftem Haus.
Entengeflügelte Worte
Die Gruppe der sieben Laien-Komödianten unterhält die Theaterbesucher mit Sketchen und Liedern, Rollen und Geschlechtertausch-Klamotten und mit Lokalsatire. Gewürzt mit eindeutigen Zweideutigkeiten. „Irgend ’ne Mischung, von der man nicht so genau weiß, was es ist“, meint Klaus Kircher zum Inhalt seiner Programme: Philosphierereien, Wortspiele, „Gedanken um’s Eck“, Nonsens. Kurz: „entengeflügelte Worte“. Im Mittelpunkt dieser bunten Mischung steht Lauffen, der Neckar, der Wein und Hölderlin, aber auch „der Schwab als solcher“. Zudem äußert sich die Gruppe nachdenklich zu allgemeinen Sinnfragen: „Burn-Coming-Work und Knockouts“. Oder: „Welche Konsequenzen ergeben sich aus der Tatsache, dass der Äquator beinah so lang ist wie der Neckar?“ In einer schlüssigen Argumentationskette hat das Team übrigens nachgewiesen, dass der Rock´n´Roll in Lauffen entstand. „Wir nehmen uns tierisch unernst und verzichten auf jegliche Botschaft“, sagen sie und kalauern sich schrill und schlagfertig durch die Abende, zielen dabei lustvoll auf die heikle Zone Gürtellinie und treffen zu gerne auch mal drunter. Das eingeschworene Team der „mittelalterlichen Nudelsuppengesichter“ – „wer schöner ist als wir, ist g’schminkt“ – spielt seit Jahren in nahezu unveränderter Besetzung: Rose Nirk, Ingrid Lauterwasser, Karin Haussler, Uwe Trumpp, Charlie Deuring, Klaus Schmidt.
Aus dem Bildband: Zabergäu – Lebenswert und Eigenart C. Wachter, U. Maushake, B. HentschkeVerlag AgentKISBN 978-3-935474-03-0 im Buchhandel erhältlich
Und natürlich Klaus Kircher. Der gelernte Fernmeldetechniker, der unlängst seinen 60. Geburtstag feierte, führt gut gelaunt und mit großen Zukunftsplänen sein Ensemble, das sich vor allem „eine gewisse Kulturblödheit“ bewahren will, in ein zweites Jahrzehnt. „Über das Meer denken wir ständig nach“, sagt Guscht träumerisch. Ja, und den Alfred wollen sie mal auf die Bühne bringen. Aber die Krönung wäre doch der „Amphitryon“. Auf Schwäbisch. In den zehn Jahren sind Stücke und Szenen entstanden, die den Besuchern in Erinnerung blieben. Dazu gehört zum Beispiel das Anrufbeantworter-Lied: „Wenn i net do bin, no bin i fort“.