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Schutz für die reife Frucht

Wer zur Zeit der Traubenreife durch die Weinberge schlendert, dem entgehen sie nicht, die Schüsse der Geräuschapparate. Sie sollen verhindern, dass die Starenschwärme in den Weinbergen Schaden anrichten. Früher waren dazu die Weinberghüter mit ihren Holzrätschen unterwegs und rätschten immer dann, wenn ein Vogelschwarm im Anflug war. Heute haben die Rätschen für diesen Zweck ausgedient, doch bei den drei Dürrenzimmerner Mönchsbergrätschern sind sie noch im Einsatz, allerdings nur noch auf Festen und Umzügen. Sie machen damit auf den historischen Hintergrund aufmerksam, sie waren die „Kämpfer im Weinberg“, wie sie Brackenheims Bürgermeister Rolf Kieser anlässlich ihres 25-jährigen Jubiläums bezeichnete. Sie sind heute in Baden-Württemberg einmalig. Der Vorstandsvorsitzende der WG Dürrenzimmern-Stockheim bezeichnete sie als die Botschafter des Weins schlechthin.
„Früher“, so Rätscher Kurt Brose, „da wurde Tag und Nacht in den Weinbergen mit diesen nicht gerade leisen Holzrätschen die Vögel vertrieben“. Heute sind die Weinberghüter mit Pistolen ausgerüstet. Sie bekommen eigens für die Zeit vor und während der Traubenlese vom Bürgermeister die Berechtigung, eine Waffe tragen zu dürfen, mit denen sie Platzpatronen abschießen.

Wie in Wirtschaftsbetrieben wurde die Zahl der Weinberghüter drastisch reduziert. So wurden mehrere automatische Geräuschapparate aufgestellt, die mit Gas betrieben werden. Sie werden von den Weinberghütern betreut, morgens eingeschaltet und abends ausgeschaltet, so Heinz Stricker, der dieses Jahr wieder als Hüter eingesetzt ist. Aufpassen muss man trotz der Geräuschapparate, meinte er, denn die Stare haben sich an den automatischen Knall gewöhnt und fliegen trotzdem in die Weinberge rein. Vor 25 Jahren haben sie angefangen, das Musikalische aus den Rätschen rauszuholen. Wegen des Geräuschpegels gingen sie in den Steinbruch. Bald waren sie in der Lage musikalisch aufzutreten. Erst waren sie sechs und dann reduzierten sie die Gruppe auf vier. Seit 2001 Herbert Heiß verstorben ist, ist es nur noch ein Trio. Oft, so Roland Gorthner, haben wir auch Musiker, wie Marcel Weinstock aus Nordheim oder Klaus Rennstich aus Meimsheim mit dem Akkordeon dabei. Bei der Eröffnung des Nordheimer Blumensommers, vor wenigen Wochen, kamen sie sogar in der Abendschau im Fernsehen. Heinz Stricker, der älteste der drei, erzählte bei der Dürrenzimmerner TGV-Veranstaltung Wein- und Biermeile, dass er, und seine beiden Miträtscher Kurt Brose und Roland Gorthner immer noch jährlich zirka zwanzig Veranstaltungen mit ihrer ganz besonderen Musik bei der Eröffnung begleiten. Bei genauem Hinhören ist zu erkennen, dass die drei Holzinstrumente unterschiedlich klingen. Sie haben unterschiedliche Zahnwalzen und somit sind sie auch in der Lage damit gewisse Melodien zu rätschen, was sie dann bei einem Jubiläumsständerling im Weinberg demonstrierten.

Hüter im Weinberg und der Wandel zum Repräsentanten des Weins

Den Klang erzeugt hierbei das Holzinstrument und der Rhythmus, der kommt aus der Hand. „Einziges Problem ist, so Stricker, dass wir keinen Nachwuchs haben. Wie lange jedoch die Rätscher-Tradition noch Bestand haben wird, das blieb auch beim 25-Jährigen Jubiläum die große Frage.Noch sind sie nicht nur im Zabergäu zu hören, denn noch sind sie teilweise aktiv als Weinberghüter und natürlich als Mönchsbergrätscher. Sie rätschten schon auf der IGA in Stuttgart, in Ulm beim Schwäbischen Sängerbund und auch im Brackenheimer Bürgerzentrum, als der damalige Bundespräsident Johannes Rau empfangen wurde. Heinz Stricker erzählte, dass sie auch beim Oktoberfestumzug dabei sind.