Mein Sandkasten stand im Weinberg
Miriam Heckel ist seit November 2006 Württembergische Weinkönigin. Am 6. Oktober stellt sie sich zur Wahl der Deutschen Weinkönigin. Wie sie sich darauf vorbereitet und was die 21-jährige Studentin aus Stockheim im vergangenen Jahr erlebt hat, berichtet sie dem ZaberBoten.
Zaberbote: Sie haben Mittlere Reife und Wirtschaftsabitur. Augenblicklich studieren Sie Weinbetriebswirtschaft – ist das der direkte Weg, um Weinkönigin zu werden?
Miriam Heckel: Mit meinem Lebenslauf hat es weniger zu tun. Mein Vater ist Weinbaumeister, meine Mutter Industriekauffrau. Als ich 1986 auf die Welt kam, waren beide im Betrieb eingespannt. Seit meiner Kindheit kenne ich eigentlich nichts anderes, als Sommers wie Winters, im Weinberg zu sein, dort standen mein Sandkasten und mein Wännle zum Baden. Ehrlich gesagt macht mir Rebschnitt, Ruten biegen, Laubarbeiten und Weinlese nicht nur Spaß, ich entspanne mich in den Weinbergen, genieße die Stille und kann meinen Eltern und meinem Bruder dabei noch behilflich sein, eine tolle Sache.
Zaberbote: Das heißt, Sie wollten von vornherein in den Familienbetriebeinsteigen?
Miriam Heckel: Nein, mein Berufswunsch war eigentlich Lehrerin. Dann kam die Frage, ob ich die ganze Zeit in der Schule sitzen will? Mir hat das Wirtschaftsabitur gefallen, damit war die pädagogische Laufbahn kein Thema mehr. Die Verbindung von Weinbau und Betriebswirtschaft ist für mich ideal.
Zaberbote: Und was hat Sie motiviert Weinkönigin zu werden?
Miriam Heckel: Während eines Praktikums bei der Werbegemeinschaft württembergischer Weingärtnergenossenschaften habe ich meine Vorgängerin Elisabeth Berthold aus Neckarsulm bei ihren Terminen begleitet und ihr assistiert. Der Kontakt zu vielen verschiedenen Leuten hat mir gefallen.
Zaberbote: Sind Sie ein Dirndl-Typ?
Miriam Heckel: (lacht) Es gibt zu bestimmten Anlässen Kleidervorschriften. Bei der Entscheidung zur Württembergischen Weinkönigin kamen die Bewerberinnen im Dirndl, die Amtierenden, die an diesem Tag die Krone abgegeben haben, im Abendkleid, das war neu. Schon meine Vorvorgängerin, Andrea Schock aus Talheim, hat mit der Dirndl-Tradition gebrochen.
Zaberbote: Haben Sie je vorher ein Dirndl getragen?
Miriam Heckel: Nein, nie. Allerdings ist meine Mutter ein Fan von Trachtenmode. Im Kleiderschrank haben wir eine Schürze gefunden, Bluse und Kleid habe ich neu gekauft. Nach dem Wahltag ist mir jedoch bewusst geworden, dass das nicht mehr zeitgemäß ist und wir hier im Zusammenhang mit Wein, auch gar keine Dirndl-Tradition haben. Ich habe mich deshalb für eine eigene, klassisch moderne Linie entschieden, das heißt grundsätzlich keine Jeans sondern ein Hosenanzug, ein Kostüm oder ein schickes Kleid.
Zaberbote: Gab es darauf Kommentare?
Miriam Heckel: Ja, ab und zu werde ich gefragt: „Sie sind Weinkönigin, wo ist denn das Dirndl?“ Das entspricht dem Klischee: die Weinkönigin steht mit gefülltem Römer da und lacht. Leider wird übersehen, dass da viel mehr an Wissen dahinter steckt. Neben Grußworten und Weinproben gehören Weinseminare zu meiner Aufgabe. Ich möchte Menschen jeden Alters ansprechen und sie von unsrem Kulturgut überzeugen. Den württembergischen Wein auch über die Landesgrenzen hinaus bekannt machen, dazu anregen, sich unser Ländle anzuschauen, die kulturellen Höhepunkte wie Seen, Burgen und Schlösser zu erleben. Und sich entlang der Württemberger Weinstraße von 512 Kilometer landschaftlicher Vielfalt inspirieren zu lassen.
Zaberbote: Wie viel Kilometer haben Sie im Laufe Ihrer Amtszeit zurückgelegt?
Miriam Heckel: Der Tacho des Audi A3, den übrigens die Weingärtnergenossenschaft Dürrenzimmern-Stockheim sponsert, zeigt bis jetzt um die 20.000 Kilometer. Dazu kommen noch fünf Flüge nach Berlin und Hamburg, sowie eine Bahnfahrt nach Bremen zur deutschen Weinwoche. Am Ende der Amtszeit werden es knapp 30.000 Kilometer sein.
Zaberbote: Haben Sie noch Zeit für Hobbys?
Miriam Heckel: Meine Hobbys – Fußball und Geige - habe ich in diesem Jahr zugunsten der Repräsentationsaufgaben und des Studiums zurück gesteckt, aber nicht aufgegeben. Fußball spiele ich seit dem 6. und Geige seit dem 9. Lebensjahr. Wenn’s die Zeit erlaubt, gehe ich trotzdem zum Training. In ein Orchester habe ich es aus Zeitmangel noch nicht geschafft, aber Geigenspielrinnen wie Vanessa May, die ich einmal in der Heilbronner Harmonie erlebt habe, begeistern mich.
Zaberbote: Gab es besonders schöne oder aufregende Ereignisse?
Miriam Heckel: Unvergesslich ein Rundflug, zu dem mich Herr Müller, ein Hobbywinzer und Sportflieger aus Tübingen eingeladen hat. Bei strahlendem Sonnenschein sind wir über Stuttgart und Stockheim geflogen und dann zu einer Kaffeepause in Pforzheim gelandet. Zurück ging’s über Heilbronn. Ein erhebendes Gefühl, das eigene Weingut von oben zu sehen.
Zaberbote: Am 6. Oktober findet in Neustadt an der Weinstrasse die Vorentscheidung zur deutschen Weinkönigin statt. Was wird dort verlangt?
Miriam Heckel: Vor rund 60 Fachleuten werden die Gebietsweinköniginnen befragt, jede zwölf Minuten. Drei Fragen aus der Lostrommel müssen beantwortet werden. Zu fünf Begriffen darf man spontan und frei assoziieren. Als dritte Aufgabe gilt es ein Anbaugebiet, das nicht das eigene ist, und einen gebietstypischen Wein vorzustellen, alles auf Englisch. Danach wählt die Jury sechs Kandidatinnen für das Finale am 12. Oktober aus. Die Vorentscheidung wird übrigens am 7. Oktober ab 14 Uhr im dritten Fernseh-Programm des SWR übertragen.
Zaberbote: Kennen Sie die Mitbewerberinnen und wie haben Sie sich vorbereitet?
Miriam Heckel: Broschüren studiert und Englisch gepaukt, insbesondere Fachbegriffe. Zum Teil kennen wir uns von gemeinsamen Terminen, beispielsweise der Grünen Woche in Berlin. Und aus dem Vorbereitungsseminar für die deutsche Weinkönigin, das von einem Organisationsteam des DWI und dem SWR in Ingelheim geleitet wurde.
Zaberbote: Was lernt man da?
Miriam Heckel: Wir wurden über die aktuelle Weinbaupolitik und den deutschen Weinmarkt informiert. Außerdem gab es reichlich Freizeit und wir bekamen Kameratraining. Zimmerkolleginnen haben sich gegenseitig vorgestellt, das wurde gefilmt und begutachtet. Es kommt auf enorm viele Details der Gestik, Mimik und Artikulation an.
Zaberbote: Der SWR war auch einen Tag lang bei Ihnen in Stockheim um einen Imagefilm zu drehen. Haben Sie den schon gesehen?
Miriam Heckel: Das Kamerateam war von mittags bis abends da und hat mich sogar zum Frauenfußball-Training begleitet. Daraus entsteht ein einminütiges Feature. Gesehen habe ich den Film noch nicht. Ich bin gespannt.
Zaberbote: Wir auch. Wir drücken die Daumen und wünschen Ihnen viel Erfolg!


